Ein Abend in Zürich.

Da wäre ich also, angekommen am Zürcher Hauptbahnhof. Ich schaue mich kurz um und entdecke schon die typischen Cliquen dort. Einerseits die Pseudo-Gangster mit ihren T-Shirts Grösse “Adipös” und die Möchtegern-Italos, die ihre viel zu engen Jeans 1. unglaublich komisch tief tragen und 2. in ihre weissen Socken stecken, damit man auch ja die Marke am Schuh sehen kann. An der Bahnhofstrasse herrscht reger Betrieb. Man muss die hässlichen Geschenke auch sobald wie möglich umtauschen, klar. Müssen die Leute aber so dämlich gehen? Die eine Mexikanerin vor mir zieht ihre Freundin, die hinter mir steht, am Arm nach und rempelt mich weg, die Touristen knipsen mit teuren Nikons das Geschehen und denken, mit dem Blitz könnten sie etwas ausmachen am Bild. Besonders toll sind die Fotografen, die ohne Vorwarnung abrupt stehen bleiben, sich umdrehen und mir ins direkt ins Gesicht blitzen. Inzwischen laufe ich zwischen den Tramschienen, um noch einigermassen voran zu kommen.

Station No. 1: die Orell Füssli Buchhandlung mit dem Ziel “Verbotene Rhetorik by Gloria Beck”. Was man am wenigsten beim Betreten einer führenden Buchhandlung erwartet, ist eine Gang von pseudopubertierenden jugendlichen Skatern, die einem entgegen kommen. Ist mir passiert und ich musste warten, bis sich dieser Haufen vom Eingang fortgeschlichen hat. Im ersten Stock wird sich nun umgesehen, bevorzugterweise in der Abteilung “Sprachen”. Vorbei kam ich auch am Abteil “Design”, wo ich einen typisch nach Designer aussehenden Mann erblickte, der sich mit hochgezogenen Augenbrauen missbilligend die Bücher seiner Konkurrenten ansah. Nach kurzer Suche wurde erkannt, dass sich das Buch hier nicht befinden würde, worauf kurzerhand eine Angestellte des Hauses zu Rate gezogen wurde. Tippend, ungläubig starrte sie nach einer kurzen Suchabfrage auf den Monitor und sagte mir, ich fände das Buch im dritten Stock, Abteilung Wirtschaft. Nach einem kurzen Blickabtausch, Kategorie “verdattert”, mit ihr, sei sie herzlichst bedankt und ich auf den Weg in den dritten Stock. Neben “Der junge Manager von heute” und “Ich kam, ich sah, ich managte”, verbarg sich unscheinbar die verbotene Rhetorik – wird ja auch langsam Zeit, eh. Und da ich schon mal in der Nähe bin, wird gleich noch in der Abteilung für Photographie vorbeigeschaut, in der sich wieder der Designer vom ersten Stock befindet und nun Photobücher liest. Tjahr — Zahlen bitte.

Meine Station No. 2 war ein Moleskine mit punktiertem Papier, was es natürlich nirgends auf der Welt gibt ô_O Aber der tolerante Mann von heute gibt sich auch mit einem Plain Moleskine ab. Marcel mochte den G-1 Gelschreiber von Pilot, der dem Brandbook beilag. Als grosser Fan von Schreiberlingen wollte ich mich natürlich auch mal daran versuchen. Ich würde, hätte ich den Stift aufgetrieben – dämlicher Laden. Mein Liebling ist sowieso der etwas teurere “Giant Cartridge Goliath” Kugelschreiberdings von Caran d’Ache, wovon ich mir ein, zwei Minen zu erstehen gedachte.

“Ja guten Tag!” (Verkäuferin gibt kein Lebenszeichen von sich und blättert weiter in ihrem Katalog).

- “Ohai?”

“Ja, was ist denn?”

- “Können Sie mir sagen, wo ich diese Nachfüllminen ‘Giant Cartridge Goliath’ von Caran d’Ache finde?”

“Die gibt es vorne an der Kasse”.

- “Dankend!”

Ich bewege mich langsam auf die Kasse zu und … “He, bleiben Sie kurz. Die Minen sind vorne an der Kasse, die kann meine Kollegin Ihnen herausgeben, oh ja”. Sie dachte wohl, dass ich etwas an den Ohren habe.

Ich entfernte mich mit einer hochgezogenen Augenbraue von ihr, habe auch Verständnis, es ist ja schon recht spät. (Anm. d. Autors: Hier an dieser Stelle sei angemerkt, dass sich mein Mac gerade verabschiedete. Zur Freude meiner hat Ommwriter eine Autosave Funktion, hrmpf).
Station No. 3 ist die von Marcel hochgeschätzte Neon, die ich mir beim Händler meines Vertrauens ersuchte. “Internationale Presse”, steht über dem Abteil – “Das muss Presse aus Germanien sein”, dachte ich mir, bis ich das “Portuguese” auf dem winzigen Schildchen unten las. “Wissenschaft”, “Frauenzeitschriften”, “Kultur” – zum Teufel, wo ist die Neon jetzt, hä? Nachdem ich einige Minuten lang unauffällig das Abteil “Erotik” beäugte, fand ich die Neon auf einem winzigen Podest mit der Aufschrift “Aktuell”. Soso.
Dann noch ein Pizzastück am Bellevue für den kleinen Hunger zwischendurch kaufen und schnell den lieben Onkel Starbucks besuchen. Ich las unterdessen schon einige Seiten der verbotenen Rhetorik und wollte mich am Starbucks Mann versuchen. Ich grinste ihn also freundlich dämlich an, in der Hoffnung, er würde mit seinem Finger länger auf dem Sahnesprüher verweilen und mehr Schokososse draufkippen.
Nach Hause. Finally. Lesen beim Busfahren verursacht bei mir Kopfschmerzen, also hebe ich mir die Lektüre für heute Nacht auf und lasse mir das duftende Haar des Mädchens vor mir in die Nase strömen. Aprikosenjoghurt, hej!
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